Presseberichte

Artikel in der RNZ vom 10. Februar 2021

101-Jährige hat die erste Spritze erhalten

Alles klappte wie am Schnürchen – Bürgerverein Neckarzimmern konnte schon 20 Termine ergattern

Von Ursula Brinkmann

Mosbach/Neckarzimmern. Hermine Schönis Impfgeschichte, deren bisheriger Verlauf in der RNZ bereits erzählt wurde, hat mit der vollzogenen ersten Impfung im Kreisimpfzentrum Mosbach ein vorläufiges glückliches Ende genommen. Mit ihrer Bereitschaft zur Impfung will die Hochbetagte ein Beispiel geben. Der Weg aber zog sich, weil Hermine Schöni und mit ihr ihre Kinder im Anmelde-Marathon die gleichen Erfahrungen machten wie viele andere auch. Dank der Hilfe des Bürgervereins Neckarzimmern führte er nun endlich ins Kreisimpfzentrum und zur ersten Immunisierung.
Am Samstagvormittag war es soweit. Hartmut Schöni, selbst schon nahe an der Altersgrenze zur Gruppe der Höchstpriorisierten, begleitete seine Mutter ins Obertorzentrum. Ralf Debus vom Bürgerverein hatte die beiden chauffiert. Doch nicht nur das. Beide Termine hat Hermine Schöni der eifrigen Telefoniererei der Aktiven im Bürgerverein zu verdanken. „Wir vom Bürgerverein haben uns gleich gesagt: da müssen wir was anbieten“, rekapitulierte Ralf Debus. Bekannt gemacht wurde das ehrenamtliche Engagement über Handzettel im Neckarörtchen.
Die beinahe 102-Jährige hatte selbst zum Telefonhörer gegriffen, als sie ein Flugblatt des Vereins im Briefkasten ihrer Wohnung fand, rief Debus an, den sie kennt, und bat um Unterstützung. Die erfolgte in mitternächtlichen Impftermin-Anmeldeanstrengungen. Debus hat die Erfahrung gemacht, dass alle jeweils freigeschalteten Terminkontingente in „20 bis 30 Sekunden“ nach 24 Uhr weg sind. Für knapp 20 alte Menschen konnte der Bürgerverein inzwischen Termine ergattern. „Zwei Dutzend stehen noch auf unserer Liste.“ Debus weiß sich jedoch von guten Mitstreiterinnen und Mitstreitern umgeben.
War der Weg ins Kreisimpfzentrum auch langwierig gewesen, vor Ort klappte dann alles wie am sprichwörtlichen Schnürchen: Anmeldung, Temperaturkontrolle, Aufklärungsgespräch und/oder -film, Impfung und Nachbeobachtung.
Hermine Schöni durchlief im bereitgestellten Rollstuhl alle Stationen in den weitläufigen Hallen. Dabei ist sie daheim mit Rollator noch mobil. Mit Hut („Ich bin eine Hutfreundin!“), Perlenkette und hochgekrempeltem Ärmel erwartete sie die Desinfizierung des Oberarms und schaute dem eigentlichen Impfakt interessiert-gelassen zu. „Ich lebe ja so gern und werde gut versorgt!“ Womit der Akt des Impfen ebenso gemeint war wie die Situation daheim in Neckarzimmern, wo Schöni mit Unterstützung des Pflege- und Gesundheitsservice Cornelia Friedrich und durch Sohn Hartmut recht eigenständig leben kann.
Die Organisation im KIZ sei top, befand auch Elisabeth Bernauer, die der wohl ältesten Geimpften im Obertorzentrum den ersehnten Piks verpasste. Bernauer war als ehemalige Krankenschwester angefragt worden, ob sie die Arbeit im Impfzentrum unterstützen wolle. „Gern“ tut sie das und bedauerte zugleich, dass noch nicht alle Impfberechtigten drankämen, die wollten.
Hartmut Schöni war ebenfalls froh, seine Mutter ein erstes Mal geimpft zu wissen und hofft, selbst bald an der Reihe zu sein, um mit der Immunisierung wie gewohnt im Mai auf sein Boot in Kroatien zu kommen. Und noch eine ist dankbar: Tochter Marlene Schubert. Sie hatte das ihr Mögliche aus dem fernen Allgäu unternommen, um das Anliegen ihrer Mutter zu erfüllen – nicht nur die Anmeldung zum und das Impfen selbst, sondern auch das Bekanntmachen. Ihre Dankbarkeit gilt daher dem Bürgerverein Neckarzimmern und der Rhein-Neckar-Zeitung.

Für die 101-jährige Hermine Schöni war es ein längerer Weg ins Kreisimpfzentrum. Dank der Unterstützung des Bürgervereins Neckarzimmern erfolgte nun der erste Pieks.
Ralf Debus (M.) und Sohn Hartmut Schöni verfolgten das Geschehen in der Kabine.
Foto: privat

© Rhein-Neckar-Zeitung GmbH

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Artikel in der RNZ vom 8. Februar 2021

Viele kleine Beiträge helfen fürs große Ganze

Frank May, Vorsitzender des Bürgervereins Neckarzimmern, berichtet im RNZ-Interview über Erreichtes und Geplantes

Von Stephanie Kern

Neckarzimmern. Der jüngste Verein in Neckarzimmern ist der Bürgerverein „miteinander-füreinander“, erst am 2. August 2018 wurde er gegründet. Bewegt hat er schon einiges. Vorsitzender Frank May ist Fertigungsleiter bei den Salzwerken in Bad Friedrichshall. Für ihn ist das Engagement zum Wohle der Neckarzimmerner Bürger ein Ausgleich zum stressigen Job. Das Ehrenamt ist ihm wichtig, denn er setzt sich auch als Gemeinderat ein. Im RNZ-Interview berichtet der 56-Jährige, welche Aktionen der Bürgerverein schon geschultert hat, was er vorhat und warum man sich eher als Richtungsgeber versteht.


Mehr als zwei Jahre gibt es nun den Bürgerverein in Neckarzimmern. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?
Ich muss zugeben, dass wir uns das vorher nicht haben vorstellen können, aber: der Verein ist genau das Richtige. Wir haben schon viel erreicht, sind jetzt an einer Schwelle, an der wir etwas mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung brauchen, damit es sinnvoll weitergehen kann. Zur Bilanz: Es macht Spaß, wir haben schon einigen Menschen helfen können und es fühlt sich gut an, etwas in Bewegung zu bringen.
Sie sind auf jeden Fall noch voller Freude dabei …?
Ja! Man merkt einfach, dass man was bewirken kann. Das zeigt, dass die Gründung eine sehr gute Idee war.
Apropos Gründung: Wie kam es überhaupt dazu?
Ursprünglich gab es die Idee, eine Art Dorfdisco zu veranstalten. Dazu haben sich ein paar Neckarzimmerner Leute zusammengefunden. Deshalb wollten wir aber noch nicht gleich einen Verein gründen und haben die erste Disco mit Unterstützung des Sportvereins organisiert. Das lief gut und wurde gut angenommen. Dann gab es die nächste Idee: Zusammenkünfte in der Adventszeit, Adventsspuren nannten wir diese. Auch das wurde sehr gut angenommen, man hatte das Gefühl, die Leute haben geradezu darauf gewartet. Von diesen Veranstaltungen ist dann immer Geld übrig geblieben. Dann haben wir uns gefragt, was wir damit machen, denn auf meinem Girokonto konnte es ja nicht bleiben.
Und warum haben Sie es nicht einfach der Gemeinde oder einer Organisation gespendet?
Genau das wollten wir gerade nicht. Wir haben dann mitbekommen, dass eine lebensverkürzend erkrankte Frau in der Gemeinde einen sehnlichen Wunsch hatte, nämlich einen Abend im Palazzo zu verbringen. Das haben wir mit diesem Geld ermöglicht. Nachdem dann aber wieder Geld bei weiteren Veranstaltungen reinkam, haben wir uns in Absprache mit Bürgermeister Christian Stuber dazu entschlossen, den Bürgerverein zu gründen.
Welche Ziele verfolgt der Verein?
Die Ziele werden eigentlich in unserem Namen deutlich, miteinander und füreinander. Die Leute, die uns Geld geben, die unsere Veranstaltungen besuchen, sollen wissen, für was das Geld verwendet wird. Und verwendet werden soll es ausschließlich, um den Menschen in Neckarzimmern was Gutes zu tun. Eigentlich war da die Idee, dass wir Hinweise aus der Bevölkerung bekommen, das spielt sich gerade so ein. Um die Verteilung der Gelder so gerecht wie möglich zu machen, haben wir einen Beirat geschaffen, der aus neun Mitgliedern besteht.
Und rückblickend: Was lief nicht so gut, wo müssen Sie vielleicht etwas nachsteuern?
Man darf es nicht überfrachten! Ich bin ein Typ, der relativ viel machen will, viele Projekte anstößt. Aber man tut sich keinen Gefallen, wenn man Dinge nicht richtig durchdenkt. Und wenn man Dinge machen will, sollte man sie richtig machen und sich nicht verhaspeln. Von daher bin ich froh, dass wir auch Leute im Verein und im Vorstand haben, die neue Ideen kritisch hinterfragen und durchdenken. Eine Aktion, die leider nicht so gut angenommen wurde, war das Angebot, Familien, die Anspruch auf den Landesfamilienpass haben, Zehnerkarten für das Freibad in Gundelsheim zu schenken. Vielleicht bräuchten diese Familien keinen freien Eintritt, sondern eher jemanden, der mal mit ihren Kindern ins Schwimmbad geht und die Eltern dadurch entlastet. Außerdem bekommt nicht jeder das Mitteilungsblatt der Gemeinde, deshalb müssen wir unsere Aktionen auch auf anderen Wegen bekannt machen.
Da können wir künftig gerne helfen. Gleiches Thema, anderer Fokus: In Bezug auf die Coronapandemie haben Sie einiges gestemmt, oder?
Ja, definitiv. Das fing während des Lockdowns mit einem Einkaufsservice an. Wir hatten in kürzester Zeit 30 Freiwillige, aber gar nicht so viele Bedürftige. Es zeigt aber, dass die Strukturen im Dorf funktionieren. Dann wollten wir Masken verteilen und haben um Hilfe beim Nähen gebeten – auch da gab es eine große Resonanz. Und das zeigte auch: Es gibt viele Leute, die helfen wollen, aber gar nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen. Das sehe ich dann auch als unsere Aufgabe, diese Hilfsangebote von Interessierten zu bündeln.
Haben Sie die Masken auch losbekommen?
Na klar, viele kamen und haben sich eine Alltagsmaske abgeholt, viele haben auch wieder was gespendet. So konnten wir zum Beispiel einer Arbeitssuchenden, die sehr viele Masken genäht hat, einen kleinen Unkostenbeitrag geben. So kommen wir wieder auf den Namen zurück: miteinander, füreinander. Jeder, der helfen will, kann das tun.
Was ist gerade in der Planung?
Wir wollen die Über-80-Jährigen bei der Impfterminvergabe unterstützen und auch einen Fahrservice ins Kreisimpfzentrum ins Leben rufen. Was wir noch planen, ist ein Bürgerpreis. Da sind wir auf die Mithilfe der Bürger angewiesen. Damit sollen Leute im Ort ausgezeichnet werden, die sich für andere einsetzen, ohne in einem Verein engagiert zu sein. Denen möchten wir einen Preis geben und zeigen: Wir sehen, was du machst und finden es gut. Zudem wollen wir einen Fahrdienst auf die Beine stellen. In Neckarzimmern gibt es keine Bank, keinen Arzt mehr. Wir haben uns schon mit den Initiatoren des Limbacher Fahrdiensts getroffen und wollen das dann angehen, wenn die Infektionslage es zulässt.
Klingt aber sehr arbeitsintensiv …
Unsere Grundidee ist, so etwas anzuregen, anfangs mitzuhelfen und uns dann zurückzuziehen, wenn es läuft. Und wir haben noch mehr geplant. Wir wollen auch ein paar Verschönerungen im Ort anstoßen. Es gibt einige Ecken, die man sicher schöner gestalten könnte. Auch da sprechen wir Leute an, die vielleicht etwas verwirklichen können. Der kurze Draht zur Gemeindeverwaltung ist natürlich hilfreich. Ein Beispiel sind Ruhebänke, die wir aufstellen wollen. Auch dafür brauchen wir Hilfe. Aber es gibt viele, die helfen wollen, die was machen wollen. Da können wir dann eine Richtung vorgeben. Wenn jeder ein bisschen was macht, ist es am Ende auch viel …
Info:
www.bürgerverein-miteinander-füreinander.de,
WhatsApp an: (0 15 73) 9 34 84 35.
© Rhein-Neckar-Zeitung GmbH

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Stellungnahme zu Bericht in der RNZ

In der RNZ vom 9.1.2021 ist ein Bericht zu der geplanten Corona Impfung erschienen:
Neckarzimmern: Der lange und holprige Weg einer 101-Jährigen zur Impfung – Mosbach – RNZ

Daraufhin hat der Bürgerverein den folgenden Leserbrief geschrieben.